Taschengeld und Hausarbeit: was in welchem Alter passt
Wie viel Taschengeld in welchem Alter üblich ist, warum regelmäßige Hausarbeit nicht bezahlt werden sollte und welche Aufgaben Kinder ab wann übernehmen können.
Kurz gesagt
Als Orientierung dient die Taschengeldtabelle des Deutschen Jugendinstituts: von rund 2 € pro Woche mit sechs Jahren bis etwa 60 € im Monat mit 17 – bis neun Jahre wöchentlich auszahlen, ab zehn monatlich. Regelmäßige Haushaltsaufgaben sollten nicht bezahlt werden, sonst wird Mithelfen verhandelbar, sobald das Kind genug Geld hat. Für größere Extra-Arbeiten außer der Reihe gilt das nicht.
Zwei Fragen tauchen in fast jeder Familie zusammen auf: Wie viel Taschengeld ist angemessen? Und soll es an Hausarbeit gekoppelt sein? Auf die erste gibt es belastbare Richtwerte, auf die zweite eine erstaunlich einhellige Antwort aus der Pädagogik – die den meisten Eltern zunächst gegen den Strich geht.
Wie viel Taschengeld? Die Richtwerte
Ein Gesetz, das Taschengeld vorschreibt, gibt es nicht. Als Orientierung dient die Taschengeldtabelle des Deutschen Jugendinstituts (DJI), auf die sich auch die Jugendämter beziehen. Die Größenordnung:
- 4–5 Jahre: etwa 0,50 € pro Woche – mehr als Symbol denn als Kaufkraft
- 6–7 Jahre: rund 1,50 bis 2 € pro Woche
- 8–9 Jahre: rund 2,50 bis 3 € pro Woche
- 10–11 Jahre: etwa 15 bis 25 € pro Monat
- bis 17 Jahre: ansteigend bis rund 60 € pro Monat
Zwei Hinweise dazu. Erstens: Bis einschließlich neun Jahre wöchentlich auszahlen, ab zehn monatlich. Kleine Kinder können einen Monat nicht überblicken; für ältere ist genau das der Lerneffekt. Zweitens sind das Richtwerte, keine Vorgaben – Einkommen, Wohnort und Reife des Kindes verschieben sie in beide Richtungen. Die Tabellen werden regelmäßig angepasst, ein Blick auf den aktuellen Stand lohnt sich.
Wichtiger als der exakte Betrag ist die Verlässlichkeit: gleicher Tag, gleiche Summe, ohne Erinnerung und ohne Verhandlung. Taschengeld, das mal ausfällt und mal aufgestockt wird, lehrt nichts über Planung – es lehrt Verhandeln.
Taschengeld für Hausarbeit – ja oder nein?
Die verbreitete Empfehlung von Pädagogik und Verbraucherberatungen ist eindeutig: Regelmäßige Haushaltsaufgaben sollten nicht bezahlt werden. Die Begründung ist praktisch, nicht moralisch. Wer fürs Tischdecken Geld bekommt, kann sich ausrechnen, wann sich Tischdecken nicht mehr lohnt – und in dem Moment, in dem das Kind genug Geld hat, ist die Aufgabe verhandelbar geworden. Genau das will man nicht: Mithelfen im Haushalt ist Teil des Zusammenlebens, kein Job.
Es gibt eine sinnvolle Ausnahme, und die ist scharf abgegrenzt: größere Extra-Arbeiten, die nicht zum normalen Anteil gehören – Keller ausräumen, Auto putzen, im Garten helfen. Diese lassen sich vergüten, ohne das Grundprinzip zu untergraben, weil klar ist, dass sie außer der Reihe stattfinden.
Wer trotzdem mit Punkten arbeitet, sollte den Unterschied kennen: Punkte, die zu Belohnungen führen (später aufbleiben, Film aussuchen, Freibad), wirken anders als Punkte, die zu Bargeld werden. Belohnungen bleiben ein Familienarrangement, Bargeld macht daraus ein Arbeitsverhältnis.
Welche Aufgaben passen in welchem Alter?
Die häufigste Fehleinschätzung ist, Kinder zu unterfordern. Was in dem Alter realistisch geht:
- 3–5 Jahre: Spielzeug wegräumen, Tisch decken, Wäsche in den Korb, Blumen gießen
- 6–8 Jahre: Spülmaschine ausräumen, Bett machen, eigenes Zimmer aufräumen, Müll runterbringen
- 9–12 Jahre: Staubsaugen, Wäsche zusammenlegen, einfache Gerichte kochen, Einkaufen mit Liste
- ab 13 Jahren: ein Abendessen pro Woche verantworten, Bad putzen, Wäsche komplett, eigenständig einkaufen
Entscheidend ist nicht die Liste, sondern dass die Aufgabe fest zugeordnet und wiederkehrend ist. „Hilfst du mal kurz?" erzeugt jedes Mal eine neue Verhandlung. „Du machst montags und donnerstags die Spülmaschine" erzeugt nach drei Wochen Gewohnheit.
Das erste eigene Konto
Etwa ab zehn Jahren wird Bargeld unpraktisch, weil auch Kinder online kaufen wollen. Ein Girokonto auf den Namen des Kindes (Taschengeldkonto) ist bei den meisten Banken kostenlos, hat kein Dispolimit und lässt sich von den Eltern einsehen. Wichtig ist dabei weniger die Kontrolle als die Sichtbarkeit: Ein Kontostand, den beide Seiten sehen, macht Gespräche über Geld konkret statt vorwurfsvoll.
Ein oft übersehener Punkt: Kinder sollten Fehler mit Geld machen dürfen. Wer sein ganzes Monatsgeld am dritten Tag ausgibt und dann drei Wochen wartet, hat mehr gelernt als aus jeder Ermahnung. Diese Erfahrung ist mit 11 Jahren und 20 Euro deutlich billiger als mit 19 Jahren und einem Dispo.
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht
- Taschengeld als Druckmittel. Kürzen als Strafe für schlechte Noten macht aus einem Lernmittel ein Machtmittel – und aus dem Kind einen Verhandler.
- Vorschuss. Wer regelmäßig vorstreckt, hebelt genau den Effekt aus, um den es geht: die Erfahrung, dass Geld endlich ist.
- Unklare Zuständigkeit. Wenn nicht klar ist, wovon das Kind sein Schulessen zahlt und wovon nicht, geht jede Rechnung schief.
- Nichts nachhalten. Ohne Übersicht, was erledigt wurde und was ausgezahlt ist, entsteht der Streit nicht über das Geld, sondern über die Erinnerung daran.
Wie Velpi das abbildet
In Velpi legen Eltern Aufgaben an – einmalig oder wiederkehrend, mit fester Zuständigkeit oder reihum rotierend. Erledigte Aufgaben geben Punkte, und ihr entscheidet, worauf die Punkte einzahlen: auf Belohnungen, die ihr selbst definiert (Filmabend aussuchen, länger aufbleiben), oder – wenn ihr das ausdrücklich wollt – über einen frei einstellbaren Kurs auf ein digitales Taschengeldkonto.
Punkte werden ausschließlich serverseitig verrechnet: Niemand kann sich in der App selbst welche gutschreiben. Jede Gutschrift und jede Auszahlung bleibt mit Datum nachvollziehbar – damit entfällt genau der Streit darüber, wer was wann gemacht hat. Über die Rollen und Freigaben legt ihr pro Kind fest, welche Bereiche es überhaupt sieht.
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